Generation Landwärts

Sie sind jung, gut ausgebildet und haben einen großen Teil ihres Lebens in Städten verbracht. Nun sehnen sie sich danach, aufs Land zu ziehen. Die Generation Landwärts und ihre neue Landlust drückt einen Zeitgeist aus – Und birgt ein enormes Potential für die Revitalisierung ländlicher Räume.

Auf der Suche nach dem guten Leben

Sie leben in der Stadt, aber träumen von einem naturnahen Leben. Sie sind Digital Natives und entdecken ihre Faszination für Wildkräuter, Wölfe und Wald. Sie sind an den Trubel der Großstadt gewohnt, doch sehnen sich insgeheim nach Stille, Weite und Entspannung.

 

Nachdem sie ihre Liebe zur Natur bisher durch Urban Gardening, Wochenendausflüge ins Grüne und Erinnerungen an Kindheit bei den Großeltern ausgelebt haben, wollen sie nun den Schritt aufs Land wagen. Die Motive, aufs Land ziehen zu wollen, sind divers. Für viele steht der Wunsch nach mehr Lebensqualität im Zentrum. Gesunde Luft, Nähe zur Natur, Entschleunigen – Was sie suchen und auf dem Land kultivieren wollen, ist das Gute Leben.

Ein eigenes (Tiny) Haus mit Garten oder ein gemeinschaftlich genutzter alter Bauernhof, Obst und Gemüse aus eigenem Anbau oder vom Bauern nebenan. Vogelgezwitscher statt Gegröle, grün statt grau, gute Luft statt Abgase und Verkehrschaos: Die Bilder einer idyllischen Ländlichkeit sind vielfältig und verheißungsvoll, wecken Sehnsüchte und lassen viele in der Stadt Lebende sich immer wieder fragen, warum sie den Schritt aufs Land nicht längst gewagt haben.

 

Wieso eigentlich nicht? Wieso leben so viele Menschen, die eigentlich vom Leben auf dem Lande träumen, noch immer in den Städten? Vielleicht, weil es für die Generation Landwärts eben nicht einfach nur darum geht, die Stadt hinter sich zu lassen. Was sie suchen, sind weder Aussteiger-Kommunen noch der Rückzug ins bürgerliche Einfamilienhaus, sondern eine neuartige Mischung, die das Beste von Stadt und Land zusammenbringt. Was das gute Leben für die Generation Landwärts ausmacht, ist gerade die Mischung aus urbaner Aktivität und ländlicher Idylle, ist eine gesunde Balance aus Inspiration und Entschleunigung, aus inspirierendem kulturellem Angebot und Freiraum zur Entfaltung. Diese Mischung muss erst kultiviert werden, in Form von Orten und in Form von Lebensstilen. Und das zu erschaffen, ist echte Pionierarbeit.

 

Stadt oder Land? Beides!

Denn sie entscheiden sich nicht zwischen Stadt oder Land, sondern sie kreieren hybride Räume und hybride Mindsets, die das beste beider Welten vereinen: Typisch urbane Phänomene wie CoWorking Spaces, Makerspaces und schöne Cafés paaren sich mit Selbstversorgungsgärten, Waldspaziergängen und ländlicher Idylle. Was lange Zeit entweder in der Stadt oder auf dem Land zu finden war, soll nun zusammenkommen. Auf dem Land soll Innovation, New Work und junges Leben stattfinden – Ohne dabei auf Ruhe, Langsamkeit und ländliche Idylle zu verzichten. Die neuen rurbanen (T)Räume erschaffen neue Lebensrealitäten, in denen vor allem eines in Mittelpunkt steht: Lebensqualität.

Möglichst idyllisch soll es dort sein, möglichst weiträumig, möglichst grün – Und dennoch bestmöglich angeschlossen an die nächste Großstadt. Und, ganz wichtig: Gleichgesinnte sollte es geben. Und bestensfalls auch eine gute Infrastruktur mit CoWorking Space und Waldkindergarten, einer alternativen Schule und einem guten Sportangebot. Auch ihre Ansprüche an die Arbeit sind radikal anders. Selbstbestimmung, Sinn und Gemeinschaftsgeist spielen eine zunehmend vorrangige Rolle.

 

Sind das zu hohe Ansprüche einer verwöhnten Genration? Jein. Dass eine junge Generation hohe Ansprüche stellt, ist nichts Neues. Oftmals sind es gerade diese Ansprüche, die ein wesentlicher Treiber sind für Innovation. Mit dem Trend zu New Work haben wir erlebt, wie die Ansprüche der Generation Y Unternehmen revolutionieren. Es bleibt also zu hoffen, dass die hohen Ansprüche an das Landleben der Generation Landwärts dazu führen, dass auch das Land ein Ort der Innovation wird und neuen Schwung erfährt. Denn darin liegt das große Potential der Generation Landwärts: Sie entwicket soziale Innovationen nicht auf Kosten ländlicher Idylle, sondern sie zeigt auf, dass sich Innovation und Dorfleben, Fortschritt und Tradition, Ruhe und Kreativität nicht widersprechen, sondern vielleicht sogar bedingen.

No Comments

Post A Comment

*